Temazcal-eine Erfahrung der besonderen Art

Soo, nach diesmal wirklich sehr sehr langer Zeit melde ich mich jetzt Mal wieder. Ich habe einen anderen Post bereits geschrieben, allerdings noch nicht Fotos dazu, und da es immer etwas schwieriger ist die Fotos vom Handy anzuhängen, habe ich den leider noch nicht gepostet. Als kleine Vorwarnung, zu diesem Post werden jetzt direkt wohl auch keine Fotos kommen, ich wollte aber diesen Eintrag unbedingt heute noch schreiben, um nichts zu vergessen, und Fotos sind hier auch nicht ganz soo wichtig, denn heute habe ich keine tollen Landschaften gesehen, ich bin nicht weit gefahren, sondern war nur hier in Ibarra auf einem eher spirituell angehauchten Grundstück. Und dort habe ich eine Temazcal-Zeremonie gemacht. Für alle, die das jetzt nicht kennen: Bis gestern habe ich noch nie was davon gehört, bis zwei meiner italienischen Mitfreiwilligen much gefragt haben, ob ich nicht heute mit denen dahin will. Als ich gefragt habe, was das genau ist, war die Erklärung: "Das ist so eine Art Zeremonie in einer Sauna, die dich sehr sehr schwitzen lässt, und danach wird gegessen. Achja, und du musst ein Kleid tragen." Ich dachte mir, das wird wohl nichts schlechtes sein und habe zugesagt. Zuhause habe ich dann erstmal gegoogelt, was das jetzt genau ist. Aber bevor ich euch jetzt den Wikipedia-Artikel oder Erfahrungsberichte hier zusammenfasse, die grundsätzlich auch ein bisschen anders sind als das, was ich heute gemacht habe, erzähle ich euch einfach Mal von vorne bis hinten, was passiert ist.

Es ging erstmal damit los, dass wir pünktlich um 10 dort angekommen sind, und dort gerade ein Feuer gemacht und eine Art Zelt aufgebaut wurde. Dieses Zelt hatte ein Gerüst aus Stöcken, darüber mehrere Schichten Decken, Plastikplanen und und und. Um 10 sollte das Ganze losgehen, ganz nach Ecuador-Manier haben wir so um halb 11 angefangen, das Essen vorzubereiten. Das Essen (die pachamanca (Erdtopf)), war nämlich kein normales Essen, auf einem Herd oder im Backofen zubereitet, sondern wurde, wie der Name sagt, in der Erde gekocht. Und zwar wurde dazu ein Erdloch mit 10 heißen Steinen aus dem Erdloch gefüllt, darauf wurden Maisblätter gelegt. Dann haben wir angefangen, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Rote Beete, Mais, Karotten, Bohnen, Ananas, Bananen und Fleisch auf diesen Blättern zu verteilen. Alles in mehreren Schichten und teilweise noch mehr Maisblättern dazwischen. Anschließend noch eine Schicht Blätter und noch mehr Steine. Darauf wurde dann eine Decke gelegt und eine Art geflochtene Matte. Auf diese Matte wurde Erde geschaufelt und in diese Erde eine Spirale gezeichnet. Anscheinend, um der Mutter Erde (Madre tierra/Pachamama) unsere Dankbarkeit für das Essen zu beweisen, hat jeder von uns eine Blume in diese Spirale gelegt, während wir die Intention, mit der wir dorthin gekommen sind, gedacht haben. Während des gesamten Vorgangs wurde gesungen und getrommelt, Lieder, in denen die Mutter Erde und die Natur gepriesen wird. Anschließend, so gegen 11, ging es dann langsam mit der eigentlichen Zeremonie los. Bevor wir allerdings in das Zelt krabbeln konnten, mussten wir noch geriebenen Tabak "Schnupfen". Das war ein ziemlich ekeliges Gefühl, zum Glück haben wir jeder ein Taschentuch bekommen und  durften unsere Nase direkt wieder putzen. Anschließend sind wir noch in einer Reihe barfuß eine Runde um das Zelt gegangen, bevor es dann richtig los ging. Und zwar mussten wir uns in dieser Reihe vor dem Eingang des Zeltes anstellen und uns nacheinander vor eine kleine Räucherschale knien und uns den Rauch über den Kopf, ans Herz und an den Bauch führen, eine Bewegung, die wir während der Zeremonie öfter gemacht haben, um gute Gedanken, gute Gefühle und allgemein eine gute Gesundheit zu erlangen und uns zu reinigen. Nachdem wir dann den Kopf auf den Boden im Eingang gelegt haben, durften wir das Zelt (krabbelnd, stehen konnte man sowieso nicht) betreten und wurden mit einem "bienvenida hermana" (willkommen, Schwester) begrüßt. Als dann alle in dem kleinen Zelt in einem Kreis um ein weiteres Erdloch saßen, innen lagen Matten, die wir als Unterlage benutzten und von der Decke hingen Kräuter und bunte Tücher, wurde uns vom Schamanen, der die Zeremonie durchführte, grob der Ablauf des Ganzen erklärt und er sprach ein kurzes "Gebet" an die Mutter Erde und an die Luft, das Element, dem der erste Durchgang der Zeremonie galt. Dieser Durchgang habe eine maskuline Energie, sagte er uns und rief dann (auf Deutsch, seine Frau ist Deutsche und irgendwie haben viele von denen, die dort mithalten, deutsch gesprochen) nach draußen, sie könnten jetzt anfangen. Dann wurden wieder heiße (rot glühende) Steine, so genannte Abuelas und Abuelos, Großeltern, in das Erdloch gelegt. Auf jeden dieser Steine wurde ein Kraut, Salz oder sonst etwas mit ätherischem Duft gelegt, der dann das Zelt durchflutete. Als genügend Steine vorhanden waren, wurde der Eingang geschlossen, sodass es ziemlich dunkel wurde, und der Schaman, Ignacio, kippte Wasser, das ebenfalls mit irgendwas versetzt war, über die Steine. Und dann war es richtig, richtig heiß im Zelt. Irgendwer begann zu Trommeln und jemand anders übernahm die Rassel. Nun wurde gesungen, Lieder über die Luft, den Wind, denke ich, denn viel verstand ich nicht, da der Großteil auf Quichwa war. Als zweites Lied wurde "He ho, spann den Wagen an" angestimmt, was ein ziemlich seltsames Gefühl war. Die erste Runde bestand tatsächlich zum größten Teil aus Gesang, ging aber auch am längsten. Ich hatte nicht wirklich ein gutes Zeitgefühl, aber ich schätze, wir saßen etwa 20 Minuten dort, lauschten den Liedern, atmeten den duftendeten Dampf ein und schwitzten. Und wirklich. Ich glaube, noch nie in meinem Leben habe ich so geschwitzt. In der ersten Runde war die Hitze noch auszuhalten, wenn man es mit den kommenden vergleicht, dennoch begann ich auch da schon zu tropfen, so ekelig es sich anhört, und war froh, als der Schaman das Abschlussgebet sprach und wir mit einem Ausruf auf Quichua, von dem ich leider die Hälfte nie verstanden habe; der erste Teil war ein Ahou (oder so ähnlich geschrieben), ein Ausdruck, den wir öfter aussagten, nach jedem Lied, Lobspruch auf die Elemente und bei jedem Stein, der ins Zelt gebracht wurde, darum baten, dass die Tür wieder geöffnet wurde und damit frische kühle Luft ins Zelt strömte.

Anschließend hatten wir kurz Zeit, uns zu entspannen, ein wenig abzukühlen, der Schaman sagte uns, wer wolle, könne sich jetzt hinlegen, die nächste Runde würde intensiver werden. Nach einigen Minuten begannen sie, neue Steine ins Zelt zu tragen. Die nächste Runde galt dem Wasser und besaß eine feminine Energie. Vom Prinzip her ähnelte dieser Durchgang sehr dem ersten, wieder wurden Lieder gesungen und es wurde in einer Art Gebeten das Wasser gepriesen. Sie war allerdings kürzer. Und das fand ich sehr gut! Denn während es mir in der ersten Runde noch ziemlich gut ging, war ich jetzt wirklich froh zu liegen. In diesem Moment lag ich noch auf dem Rücken, die Beine angewinkelt. Das erste, womit es mir schlechter ging, war, dass meine Knie, die somit höher waren als der Rest meines Körpers sich anfühlten, als verbrannten sie. Das war schon relativ schwer auszuhalten, ich konnte und wollte mich allerdings nicht bewegen, da ziemlich nah rechts und links neben mir, auch Leute lagen und ich ihnen nicht im Dunkeln meine Knie irgendwo gegen den Körper hauen wollte. Gegen Ende wurde mir dann auch ein bisschen schwindelig, mein Herz begann zu rasen und mittlerweile begann sich mein Kleid wirklich mit Schweiß vollzusaugen und ich merkte, wie langsam wirklich alles nass war. Doch bevor es mir wirklich schlecht gehen konnte, beendete der Schaman die Runde und die Tür wurde nach unserem Ruf wieder geöffnet. Auf Bitten des Schamans wurde auch die Rückseite des Zeltes geöffnet und Giada und ich lehnten uns gierig in die kühle Luft. Diesmal war auch die Pause etwas länger und der Schaman fragte uns, wie es uns geht. Eine Antwort, die der Großteil der Leute bestätigte, war "súper bien". Eine Frau sagte allerdings, sie hätte Kopfschmerzen, woraufhin ihr der Schaman Tropfen auf die Schläfen schmierte.
Wenn ich mich nicht irre, müsste es auch in dieser  Pause gewesen sein, dass uns Brennessel ausgeteilt wurde und wir uns damit über unseren Körper streichen sollten, um Schmerzen und sonstige Beschwerden zu kurieren. Anschließend ging es auch schon in die dritte Runde.

Die war zum Glück sehr kurz, es wurde auch nicht gesungen, sondern wieder Lobreden auf das Feuer gesprochen, die mit dem obligatorischen "Ahou" bestätigt wurden. In der nächsten Pause gab es dann Wasser und die erste Ohnmächtige. Direkt nach der Zeremonie wurde nämlich erstmal wieder das Zelt geöffnet und wir konnten uns ein bisschen erholen. Nach ein paar Minuten wurden wir gebeten, uns hinzusetzen, um zu trinken. Alle erhoben sich von den Matten, nur eine der Frauen blieb liegen und rührte sich nicht. Erst, nachdem eine andere Teilnehmerin ihr Waser über den Kopf und danach auch den Rest des Körpers gekippt hatte, schlug auch sie die Augen auf. Anschließend gab es für jeden so viel Wasser, wie man wollte und brauchte.
Und dann machte der Schaman etwas, was ich persönlich etwas seltsam fand. Ihm wurde eine Flasche gereicht, was darin war, weiß ich leider nicht, es roch allerdings ziemlich alkoholisch und es schwammen irgendwelche Blumen darin. Aus dieser Flasche nahm er jeweils einen großen Schluck und spuckte uns das Zeug ins Gesicht, auf die Brust und den Bauch und den Rest pustete er über die Beine auf den Boden. Das machte er bei allen Teilnehmern, bis eine der Frauen, die ihm bei der Zeremonie halfen, das Ganze auch bei ihm machte.
Im Anschluss legten wir uns wieder auf die Matten und die vierte und letzte Runde begann, diesmal zu Ehren der Erde und mit femininer Energie. 

Diese Runde war wieder etwas länger, es wurde wieder gesungen und "gebetet". Außerdem fiel die zweite Teilnehmerin der Hitze zum Opfer. Sie wurde nicht ohnmächtig, jedoch ging es ihr ziemlich schlecht und sie musste sich übergeben. Auch ich spürte das Ganze mittlerweile ziemlich stark.

Dementsprechend hatte ich es am Schluss relativ eilig, nach über 3 Stunden aus dem Zelt heraus zu kommen, vor Allem, weil der Schaman zuletzt die Steine mit einer ordentlichen Ladung Wasser "löschte" und es so nochmal so richtig heiß wurde. Hatte ich im Laufe des Rituals Schwierigkeiten zu atmen, war es mir jetzt so gut wie unmöglich und jedes Mal, wenn es in der Schlange weiterging und ich mein Gesicht nicht in der entgegengesetzten Richtung zum Feuer an meinen Beinen verbergen konnte, dachte ich, es würde verbrennen.
Am Ausgang gab es natürlich wieder ein Ritual, man musste wieder die Stirn auf den Boden legen und sagen "por todas mis relaciones"- für alle meine Beziehungen. Dabei oder danach wurde einem kühlendes Wasser über den Kopf geschüttet. Nachdem wir uns irgendwo hingesetzt oder an einen Baum gelehnt und uns relativ erholt hatten (dabei ist wieder eine Frau umgekippt, Giada, meine Mitfreiwillige, sah auch gar nicht gut aus), begaben wir uns zu einer Tonne, in der sich Wasser befand, mit dem wir uns den Dreck und Schweiß abwaschen konnten-im Kleid, das war hinterher auch nicht nasser als vorher.

Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Denn nun ging es daran, das Essen auszugraben und zu essen. Das war wirklich super lecker, wenn auch ungewürzt. Es gab allerdings eine Käsesauce und Aji dazu. Während des Essens konnten wir uns über das Geschehene unterhalten, es war ja für uns alle das erste Mal, wie es uns währenddessen und jetzt ging und wie wir es insgesamt fanden. Außerdem wurden wir schon zu einer Aktivität nächsten Samstag eingeladen, eine Zeremonie zur Reinigung des Uterus, wie auch zum nächsten temazcal.

Nach dem Essen sind wir noch zu den Italienern nach Hause gefahren, haben einen Kaffee getrunken und geredet, bis ich dann in unsere WG gefahren bin.

Alles in Allem war diese Zeremonie auf jeden Fall eine sehr besondere Erfahrung, die außerhalb dieses touristischen Ecuadors liegt und die mir irgendwie nochmal mehr die südamerikanische Kultur nähergebracht hat. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen und würde das Ganze vielleicht auch nochmal wiederholen.

Jetzt bin ich ganz schön fertig und fühle mich irgendwie fiebrig und k.o., ich denke, ich werde wohl gleich schlafen gehen.

Darum lade ich jetzt auch, wie gesagt, keine Bilder hoch, die werden in der nächsten Zeit dann noch angehängt, ich habe allerdings auch nicht so viele. Der Großteil der Bilder, die kommen werden, wurden von der lieben Giada gemacht, die mir erlaubt hat, die Fotos hier hochzuladen.

Bis dahin und bis zum nächsten Eintrag, der, wenn alles klappt wie geplant, morgen kommt, sende ich euch viele Grüße aus Ibarra! :)

Kleiner Nachtrag vom nächsten Tag: ich habe jetzt wirklich einige Stunden geschlafen, mir tut allerdings immer noch der Kopf weh und ich bin ganz schön erschöpft. Ich bin auch mit Übelkeit aufgewacht und musste mich vorhin auch übergeben, da weiß ich allerdings nicht, woran das liegt, ich hoffe ich werde jetzt nicht krank. 😅

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