Abschluss

4 Monate und 6 Tage. So lange ist es her, dass ich in Hannover nach einem Jahr Ecuador aus dem Flieger gestiegen bin. Seitdem ist so einiges in meinem Leben passiert. Anders als der Großteil der Leute, die nach der Schule ein Jahr im Ausland verbracht haben, habe ich nicht vor etwa drei Monaten mit einem Studium oder einer Ausbildung begonnen, sondern mich für einen weiteren Auslandsaufenthalt entschieden. Diesmal nicht als Freiwillige in Südamerika, sondern das komplette Kontrastprogramm: Au Pair in Australien. Und so sitze ich jetzt hier, in New South Wales, Australien, und schreibe meinen letzten Eintrag im Blog über mein Abenteuer Ecuador.

In den letzten Tagen in Ibarra ging es mir nicht besonders gut. Ich war komplett hin- und hergerissen zwischen der Freude auf Zuhause und der Trauer, diesen Ort bald verlassen zu müssen. Den Ort, und mit ihm auch die Menschen. Zuallererst und vor Allem natürlich die Kinder. Aber auch meine Mitbewohner, unsere Katze Oreo, meine anderen Mitfreiwilligen, die Educadoras und natürlich alle die, die ich sonst so im Laufe des Jahres kennen gelernt habe. Neben den Menschen ist es das Land, das mir fehlt, die Landschaften, die Berge. Die Sprache. Und vor allem das, was ich dort erleben durfte. So viele Abenteuer. So oft bin ich über mich selbst hinausgewachsen, habe meine Ängste mehr oder weniger gekonnt ignoriert 😂 In Ecuador habe ich gelernt, wie es sich anfühlt, wirklich glücklich zu sein. Auch, wenn vielleicht nicht immer alles perfekt lief, mich vieles gestört hat. Und doch war ich glücklich. Natürlich waren da Tiefpunkte, aber im Großen und Ganzen war ich nie so glücklich wie dort.
Und dann war der Moment des Abschieds da. Mir fiel es unendlich schwer, zu gehen und wieder in Deutschland anzukommen. Obwohl es viele Dinge gab, die ich in Ecuador sehr vermisst habe, vermisste ich nun mein Leben dort.
Ich habe mich in Deutschland oft nicht verstanden gefühlt, wenn ich von dort erzählte und sagte, wie sehr ich es vermisse, dort zu sein. Oft kamen Sprüche wie "aber du bist doch jetzt wieder hier, hast deine Freunde, dein Leben wieder, das ist doch toll!" Und es war tatsächlich so. Als ich durch die Straßen bei uns lief, bemerkte ich, wie sehr mir doch einiges gefehlt hatte. Fußgängerzonen zum Beispiel. Und deutsche Bäcker und so weiter. Trotzdem weiß ich, dass ich etwas wie dieses Jahr so nie wieder erleben werde und das ist schwer zu realisieren.

Jetzt ist Silvester. In ein paar Stunden endet hier in Australien das Jahr 2018. Irgendwie kann ich das gar nicht wirklich glauben. Letztes Jahr war ich der Meinung, 2017 wäre DAS Jahr gewesen. Abi, ich bin 18 geworden, Ecuador. Dieses Jahr sage ich eindeutig:
2018 war das bisher absolut beste und aufregendste Jahr meines Lebens. Angefangen in Montañita, am Pazifik, lag der größere Teil meines Jahres in Ecuador noch vor mir. Irgendwann habe ich angefangen, mich für meinen Au Pair Aufenthalt in Australien zu bewerben, was die kompletten letzten 1,5 Monate in Ecuador in Anspruch nahm, da ich viel nur schrittweise machte, ich wollte ja meine Zeit dort auch noch genießen 😂 Diese Bewerbung gab mir einen Grund, mich trotz des Abschieds auf etwas zu freuen. Als ich dann etwa einen Monat in Deutschland war, bekam ich meinen ersten Gastfamilienvorschlag und letztendlich ging es dann auch sehr schnell, dass ich tatsächlich eine Familie gefunden und meinen Ausreisetermin hatte. Am 13.11. ging es dann los, und wieder war der Abschied schwer, hatte ich mich doch gerade daran gewöhnt, wieder in Deutschland zu sein, und zugegeben, mein Leben dort war jetzt echt nicht schlecht 😅
Jetzt bin ich in Australien und was soll ich sagen...auch hier bin ich glücklich, auch, wenn es definitiv etwas ganz anderes ist als Ecuador. Und immer noch vermisse ich mein Leben dort. Aber oft genug bin ich einfach glücklich, hier zu sein. Die Familie ist toll, die Kinder sind zwar etwas verwöhnt, aber unglaublich lieb und auch toll und wir haben sogar einen Hund und (mittlerweile leider nur noch, es waren mal 4) zwei Hühner.
Jetzt haben wir hier einen Sandsturm und später gewittert es vielleicht noch, ich hoffe, das ist bis Mitternacht vorbei, dann kann ich vielleicht in unserem Pool (ja, ich lebe hier ziemlich im Luxus, finde ich 😅) ins neue Jahr reinfeiern.
Und in ein paar Tagen bin ich tatsächlich wieder am Pazifik, diesmal von der anderen Seite, südlich von Sydney.
In diesem Sinne, nachträglich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Auf dass das neue Jahr genauso gut wird wie das alte!

Ich werde diesen Blog hiermit beenden. Wer mich gerne bei den Monaten hier in Australien begleiten möchte, der darf mir gerne bei Instagram folgen (swannifr) 😜 Außerdem habe ich eine App entdeckt, mit der ich plane, meine Reisen hier aufzuzeichnen. Vielleicht werde ich auch mal etwas aus meinem Alltag dort schreiben, man kann dort auch (kurze) Texte schreiben. Es wird nicht so sein, wie der Blog hier, aber irgendwie hat das ganze ja nicht ganz so gut geklappt, wie ich am Anfang des Jahres gedacht hatte...
Die App heißt FindPenguins und ich heiße dort Swantje Freitag. Wer Interesse hat, kann die App ja gerne Mal runterladen und mir da folgen. Soweit ich weiß, gibt es auch eine Internetseite.
Bis jetzt ist noch nicht wirklich was passiert, bei meiner ersten kleinen Reise in ein paar Tagen werde ich das Ganze aber auf jeden Fall mal ausprobieren!
Ich danke allen dafür, diesen Blog gelesen zu haben, auch wenn wirklich nicht regelmäßig Beiträge kamen, und freue mich darauf, mit euch gemeinsam die andere Art der Reiseerzählung auszuprobieren. 😀
Viele Grüße aus Australien
Swantje :)

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