Ein Tag in meinem Leben

Halb 6 Uhr morgens, mein Wecker klingelt zum 3. Mal. Das bedeutet, dass ich einmal mein Handy auf Nachrichten checken kann, die (wegen der Zeitverschiebung) über Nacht angekommen sind, und dann aufstehen, duschen, losfahren muss.

Spätestens jetzt werden wohl alle Bescheid wissen, worum es in diesem Blogeintrag gehen wird, wenn man es nicht schon an der Überschrift erraten hat: Wie versprochen liefere ich euch heute einen typischen Tagesablauf aus meinem Leben als Freiwillige in Ecuador!
Das Ganze hat sich für mich etwas schwierig gestaltet, da es für mich im Moment nicht wirklich einen "typischen" Tagesablauf gibt. Das liegt hauptsächlich an meinen noch sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten, ich hoffe allerdings, dass da noch eine Regelmäßigkeit kommen wird, wenn sich die italienischen Freiwilligen, die letzte Woche angefangen haben, hier zu arbeiten, richtig eingearbeitet haben und so weiter. Bis jetzt gibt es hauptsächlich zwei Versionen eines Tages in meinem ecuadorianischen Leben: Die, in der ich früh arbeite und eine, in der ich spät arbeite.
Ich habe mich letztendlich dafür entschieden, das Ganze in zwei verschiedenen Blogeinträgen zu  erzählen und mit dem frühen Arbeiten anzufangen. Also: viel Spaß! :)

Nachdem ich also geduscht und mit Sonnencreme und Mückenschutz eingeschmiert bzw. -gesprüht und auch sonst fertig bin, geht es um kurz nach 6 mit den Fahrrädern in Richtung des Viertels Yuyucocha und dort in den Park, wo sich mein Arbeitsplatz befindet, das Casa Familia Yuyucocha 2 (kurz: Casa Yuyu2).

Auf dem Weg dorthin halten wir noch beim Bäcker, denn wir haben noch nichts gegessen und wenigstens ich werde die nächsten 2 Stunden auch nichts bekommen, und mit leerem Magen arbeitet es sich nicht so gut. Am Haus angekommen, geht auch ziemlich direkt die Arbeit los: 4 Kinder müssen zur Schule, bzw. einer in den Kindergarten dort gebracht werden, und vorher müssen sie noch fertig essen, eventuell noch ein Heft suchen und es in den Rucksack räumen, Pullover oder Jacke anziehen (oder suchen), Zähne putzen oder oder oder. Doch spätestens um 6:45 Uhr sind wir auf dem Weg durch den Park in Richtung des Eingangstor, wo wir oft die Kinder aus dem Haus Yuyu 1 treffen. Von dort aus müssen wir dann zur Bushaltestelle, was sich nicht selten als eher schwierig erweist, denn 6 Kinder, von denen immer mindestens 3 nicht laufen wollen, dazu zu bewegen, jetzt aber doch bitte schnell zur Haltestelle zu gehen, damit wir den Bus nicht verpassen und somit nicht zu spät zur Schule kommen, ist nicht immer leicht. Glücklicherweise habe ich immer eines meiner Kinder dabei, der die anderen oft (immer schon weit vor Kreuzung, an der wir abbiegen müssen und damit eindeutig außer Sichtweise der Straße, aber darauf achtet glücklicherweise keines der Kinder :D) mit einem panischen "El buuuuus" wenigstens ein kurzes Stück zum Rennen bringt, und so kommen wir dann doch irgendwann an der Haltestelle an.
Um es kurz einzuwerfen: die Bezeichnung Haltestelle ist hier vielleicht nicht ganz passend, denn an besagter Straße gibt es keine wirklichen Haltestellen. Man stellt sich eigentlich nur an die Straße, wartet auf den nächsten Bus (der übrigens hier keine festen Abfahrtszeiten hat, die fahren gefühlt immer irgendwann und zufällig), streckt den Arm aus, der Bus hält und man steigt ein.
Jedenfalls müssen wir wegen der fehlenden Busfahrpläne oft doch noch einige Zeit warten, bis der Bus dann auch kommt. Doch wenn wir erstmal eingestiegen sind, handelt es sich nur noch um ein paar Minuten Busfahrt und einen kurzen Fußweg, bis wir die Kinder an der Schule und den Kleinen am Kindergarten abgeben können.
Wenn das erledigt ist, laufen wir Freiwilligen meistens zurück, für den Weg braucht man etwa 15-20 Minuten und es ist einfach schöner, ein wenig zu laufen, den Blick und die Ruhe zu genießen, bevor es am Haus dann weitergeht. Denn das tut es. Nach der Ankunft dort um kurz nach halb 8 ungefähr muss meistens erstmal die Wäsche aufgehängt werden und anschließend (gegen 8) muss die Kleinste des Hauses gemeinsam mit der Kleinsten aus Yuyu 1 (beide sind zwischen anderthalb und zwei Jahren alt) in den Kindergarten gebracht werden. Das ist normalerweise ein Fußweg von etwa 5 Minuten, da die beiden aber laufen sollen und oft nicht wollen, und natürlich auch nicht so schnell können, kann sich das gerne mal bis zu einer halben Stunde hinziehen. Anschließend geht es wieder ins Haus, wo erstmal mit den Educadoras gefrühstückt wird. Das ist meistens ziemlich lecker, es gibt eigentlich immer irgendetwas mit Ei und dazu Brötchen, dazu entweder Kaffe oder Reste der Getränke der Kinder, das kann Kakao sein oder Colada, eine Art Bananengetränk, oder sonst etwas anderes, da muss man hier immer für eine Überraschung und für Neues offen sein.
Nach dem Frühstück wird das Haus geputzt, Kleiderschränke müssen sortiert werden und es wird angefangen, das Mittagessen zu kochen. Außerdem wird auch oft der Tag geplant oder zwischendurch auch mal entspannt, bevor die ersten Kinder wiederkommen.
Um 10 kommt dann nämlich der erste. Der Kleine muss aus dem Kindergarten abgeholt werden. Bis wir dann zuhause sind, ist es auch schon eher halb 11, da kann dann bald schon jemand los, den nächstgrößeren von der Schule abzuholen, das macht, seit die Italiener da sind, meistens die jeweils andere Freiwillige im Haus, die dann auch auf die Großen wartet, um mit allen gemeinsam nach hause zu gehen.
Dort wird sich dann erstmal umgezogen, die Hände gewaschen und Mittag gegessen, nachdem ein Kind ein Tischgebet gesprochen hat. Währenddessen trudeln auch die Kinder ein, die alleine von der Schule nach hause kommen. Deshalb essen oft alle gemeinsam, abgesehen vom Kleinen, der bereits gegessen hat. Auch das Mittagessen ist eigentlich immer lecker und gar nicht so eintönig, wie es vielleicht klingt, wenn man hört, was es immer gibt: Es gibt immer eine Suppe als Vorspeise, danach Reis mit Bohnen, Linsen oder Ähnlichem Gemüse und Salat und dazu/danach einen (natürlich immer selbstgemachten- oft von uns Freiwilligen) Saft.
Nach dem Mittagessen geht die eigentliche Arbeit mit den Kindern los, wenn sich der Arbeitstag auch langsam dem Ende neigt. Denn dann müssen die meisten Hausaufgaben machen, was nicht selten in Tränen und/oder Wutausbrüchen der Kinder endet, und der Rest möchte auch irgendwie beschäftigt werden. Oft beschäftigen sie sich auch selbst, indem sie draußen spielen, einen Film gucken o.Ä. Doch auch dann kann man mitspielen, mit ihnen kuscheln oder oder oder. Einem fällt meistens irgendwas ein und normalerweise kommen die Kinder auch auf einen zu, gerade weil nicht immer alle etwas gemeinsam machen und sich einzelne Kinder dann langweilen, die man beschäftigen kann.
So endet meistens mein Arbeitstag um halb 3, also nach 8 Stunden Arbeit, die wirklich meistens ziemlich anstrengend ist, sodass ich nach der Heimfahrt mit dem Fahrrad immer relativ kaputt bin. Außerdem bin ich hungrig, und so haben wir uns angewöhnt, auf der Heimfahrt noch beim Bäcker zu halten und uns ein paar Brötchen für zuhause mitzunehmen, die wir dann, in der WG angekommen, gemütlich essen können.

Naja, meistens gemütlich, denn mit der Arbeit ist der Tag für mich/uns oft noch nicht vorbei:
Dreimal die Woche besuchen wir hier eine Sprachschule, um unser Spanisch zu verbessern, dazu gehören natürlich die drei Unterrichtsstunden in der Woche, aber auch etwas, mit dem ich in diesem Jahr nicht unbedingt gerechnet habe: Hausaufgaben. Zum Glück meistens welche, die relativ schnell gehen, die wir aber oft nach den Brötchen noch machen müssen, bevor es mit dem Fahrrad wieder los zur Sprachschule geht.
Außerdem haben meine Mitfreiwillige und ich uns zu einem Salsakurs angemeldet, der immer Mittwoch und Donnerstag von jeweils 8 bis 9 stattfindet. Dieser Kurs macht unglaublich Spaß und man hat die Möglichkeit, relativ viele nette (oder auch weniger sympathische...) Menschen kennenzulernen.
Am Wochenende wollen wir außerdem häufig wegfahren, und so kann es sein, dass wir am Freitag nach der Arbeit noch packen und dann zum Busbahnhof fahren müssen, um eventuell über Nacht zu fahren, oder Quito noch zu einer guten Uhrzeit zu erreichen, um dort in der Freiwilligen-WG zu übernachten und am nächsten Morgen weiterfahren. So haben wir es das letzte Wochenende gemacht, das ein langes Wochenende war und an dem wir sehr viel erlebt haben. Doch darüber werde ich bald einen weiteren Blogeintrag schreiben.
Ebenfalls wird demnächst ein Blogeintrag darüber kommen, wie es ist, spät zu arbeiten. Der wird dann wahrscheinlich nicht ganz so lang wie dieser, aber hoffentlich ebenfalls spannend. ;)

Ihr könnt also weiterhin gespannt sein! Ich wünsche euch noch eine schöne Restwoche und sage hasta luego!

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