Baños

So, da bin ich schon wieder. :)
Damit nicht zwei Tagesabläufe hintereinander kommen, und da ein Tagesablauf ja auch längere Zeit aktuell ist, möchte ich heute von unserem letzten Wochenende hier berichten.
Ich habe ja im letzten Post schon ein ganz bisschen erzählt:
Das letzte Wochenende war ein langes Wochenende, das heißt, wir hatten Freitag bis Montag frei. Wir konnten also am Freitagabend ganz entspannt nach Quito fahren, um dort die Freiwilligen zu treffen und in deren WG zu übernachten. Am Samstagmorgen sind wir dann erst mit dem Taxi einmal quer durch Quito zum entsprechenden Busbahnhof gefahren (für den Trip haben wir fast 2 Stunden gebraucht) und am Bahnhof dann in einen Bus gestiegen, der uns innerhalb von fast dreieinhalb Stunden nach Baños gebracht hat.

Baños ist an sich keine besonders schöne Stadt. Aber was sie zu bieten hat, sind sehr viele sehr spektakuläre Wasserfälle und aus diesen hat sich eine Riesentourismusbranche in der Stadt entwickelt. Neben geführten Touren kann man diverse Outdoor-Extrem-Aktivitäten machen, sehr sehr viele Souvenirs kaufen, wandern und hinterher in 3 verschiedenen Thermal-Bädern entspannen.

So viel als kleinen Einwurf zwischendurch.
Wir sind also am Samstagnachmittag in Baños angekommen und haben uns ein Hostel gesucht. Als wir den Chef dort gefragt haben, was wir denn noch machen könnten, denn wir wollten wenigstens etwas erleben, hat der uns erst ein wenig ausgelacht, dann jedoch hat er uns vorgeschlagen, eine Art Wanderung zu machen. Über der Stadt thront nämlich eine Statue, die man erreichen kann, wenn man etwa 45 Minuten lang Treppen hochsteigt. Doch der (jedenfalls für mich) relativ anstrengende Aufstieg lohnt sich: Am Ende hat man einen spektakulären Blick über die Stadt und auf die umliegenden Berge. Außerdem kann man den nahen Vulkan Tungurahua sehen, der noch immer ein wenig aktiv ist. Nach dem anschließenden Abstieg haben meine Beine allerdings sehr gezittert, ich hatte das Gefühl, als würde ich auf Wackelpudding stehen. Deshalb habe ich mich auch sehr auf unseren nächsten Programmpunkt gefreut: Das Thermalbad. Das war allerdings so voll, dass wir uns vor Ort dann spontan doch dagegen entschieden haben. Wenigstens haben wir an diesem Abend noch unseren ersten Wasserfall dort gesehen, unter den man auch hätte gehen können und der sich direkt am Bad befindet.
Anschließend waren wir noch lecker mexikanisch essen und haben uns am Abend dann noch mit den Mädels aus Quito getroffen, die erst noch etwas erledigen mussten, am Samstagabend aber nach Baños nachkommen konnten. Mit ihnen waren wir noch einen Kaffee trinken, bevor wir alle ins Bett sind.

Denn am Sonntag mussten wir schon wieder relativ früh aufstehen. Am Samstagnachmittag haben wir uns nämlich für 5 Dollar eine Tour gebucht, die uns zu den verschiedenen Wasserfällen und Aktivitäten führen würde. Allgemein war der Samstag für mich ein sehr besonderer und aufregender Tag, an dem ich mehr als einmal über mich hinausgewachsen bin. Doch dazu später.
Erstmal sind wir am Sonntag alle relativ früh aufgestanden, denn um 9 begann unsere Tour und wir sollten mindestens 20 Minuten früher da sein. Aus Zeit- und Geldgründen gab es zum Frühstück also Brötchen auf die Hand. Zum Glück schmecken die Brötchen hier nicht so wie die Brötchen in Deutschland, sondern so, dass man sie sehr gut pur essen kann. Das ist sowieso die Art, auf die wir hier Brötchen essen, wenn nicht mit Marmelade.
Um 9 ging dann jedenfalls die Tour los, und zwar in einer Art Bus ohne Fenster, der stark an einen Partybus erinnerte, denn kurz vor dem Start wurde laut Musik und eine Discokugel angemacht.
Zuerst sind wir ein wenig durch Baños und Umgebung gefahren, an einer Schlucht vorbei, durch die ein Fluss fließt, der durch einige Wasserfälle gespeist wird, durch einen Wasserfall hindurch und an einem Felsen vorbei, der die Form eines Gesichtes hat. Anschließend ging es zur ersten Aktivität, die für mich gleichzeitig das Highlight, aber auch der Punkt des Ausflugs war, vor dem ich am meisten Angst hatte, vor allem, weil sie im Bus einen Film gezeigt hatten, in dem es darum ging, dass ein Mann dabei abstürzte: Canopy, oder auch Ziplining.
Für die, die wie ich anfangs mit keinem der beiden Begriffe etwas anfangen können, erkläre ich das Ganze noch mal: Canopy bedeutet, dass du an einem Seil hängst und quasi damit über eine Schlucht fliegst. Ich kannte sowas Ähnliches vorher als Flying Fox, vielleicht könnt ihr ja damit etwas anfangen. Wenn ihr euch immer noch nichts darunter vorstellen könnt, einfach mal Baños Canopy googlen, da werdet ihr sicher einiges dazu finden, denn in dieser Stadt gibt es gefühlt tausend "Reisebüros", die das anbieten.
Das Ganze war für mich eine riesige Überwindung, denn ich leide unter ziemlich starker Höhenangst und dort in was-weiß-ich vielen Metern über eine Schlucht zu "fliegen", war eine Vorstellung, die mir nicht zu 100 Prozent gefiel. Doch ich habe mich getraut und bereue es auf keinen Fall. Denn sobald ich erstmal von der Plattform runter war, war es ein so atemberaubendes Gefühl, das ich hoffentlich nicht so bald wieder vergessen werde. Ich war leider zu sehr mit mir beschäftigt, als dass ich ein Foto oder gar ein Video davon hätte machen können, allerdings konnte ich auf dem Rückweg die Plattform fotografieren, das Foto kann ich unten an den Beitrag anhängen.
Nach dem Canopy ging es weiter zur nächsten Sensation, von der ich leider den Namen vergessen habe. Jedenfalls ging es dort um Höhe und auch dort war mir am Anfang etwas mulmig, wenn auch lange nicht so wie vor dem Canopy, aber am Ende hat es sich gelohnt. Und zwar wurden wir immer mit mehreren in eine Art Käfig gesetzt bzw. gestellt und sind damit ebenfalls über eine Schlucht gefahren, einmal hin und dann wieder zurück.
Als das alle, die wollten, gemacht haben, ging es weiter zur letzten Sache, die wir uns angucken konnten: El Pailon del Diablo. Dabei handelt es sich um eine Art kleinen Wanderweg, der an einem Fluss und einem Wasserfall entlangführt, über eine Hängebrücke und schließlich an einem riesigen Wasserfall endet, unter den man sich auch stellen kann. Das haben wir ebenfalls gemacht und dabei sind auch ganz lustige Fotos entstanden.
Nach diesem Abstecher ging es wieder zurück nach Baños. Die ganze Tour hat etwa 2,5 Stunden gedauert und 5 Dollar plus entsprechend das Geld für die Attraktionen gekostet. Die waren allerdings freiwillig und haben zwischen 2 und 10 Dollar gekostet. Hat sich meiner Meinung nach auf jeden Fall gelohnt!

Nach der Tour haben wir eine kleine Pause im Hostel gemacht, uns umgezogen und sind danach wandern gegangen. Unser Ziel war das Casa del arbol, zu deutsch Baumhaus, was ebenfalls eine relativ große Touristenattraktion in Baños ist. Die ganze Wanderung dauerte etwa 4 Stunden, dabei ging es an einem ziemlich bekannten Aussichtspunkt vorbei und an einer weiteren Stelle, an der ich meine Höhenangst überwinden konnte: Eine Art Riesenschaukel.
Für 10 Dollar wurden wir dort auf eine Art Metallbank gesetzt, gesichert und konnten dann an einer 32 Meter langen Schaukel etwa 700 Meter über der Stadt durch die Luft schwingen. Das war Nervenkitzel und Adrenalin pur, doch auch das hat sich trotz Panik und Höhenangst am Anfang gelohnt. Von dort ging es dann wirklich weiter zur Casa del arbol, die sich allerdings als nicht ganz so sehenswert herausgestellt hat. Vielleicht wäre es dort ganz schön gewesen, wenn nur halb so viele Menschen dort und das Wetter besser gewesen wäre, aber so war es einfach nur voll und irgendwie stressig. Wenigstens konnten wir kurz den Vulkan aus ziemlicher Nähe sehen, bevor sich die Wolken davor zugezogen haben.
Auch der Rückweg der Tour war eins der Highlights an diesem Wochenende: Wir sind auf der Ladefläche eines Pickups den Berg hinunter zurück in die Stadt getrampt. Das war auf jeden Fall ganz schön lustig, wenn auch am Ende etwas kalt. Anschließend waren wir wieder sehr gut essen und sind ins Bett gegangen, denn der Sonntag war anstrengend. Gerade die Wanderung hat mich ziemlich geschafft: Ich habe hier beim Wandern oft ziemlich Probleme mit der Luft, kann also auch bei leichten Anstrengungen oft nicht richtig atmen, zudem muss man sagen, dass wir an diesem Tag 800 Höhenmeter zurückgelegt haben, und das bei 10 Kilometern Entfernung. Das bedeutet, es ging die meiste Zeit ziemlich steil bergauf, was auch meinen Beinen nach den zig Treppenstufen am Samstag nicht unbedingt besonders gut gefallen hat.

Auch am Montag sind wir wieder gewandert und auch dort viel bergauf und das ziemlich steil. Am Montag haben wir uns nämlich einen Teil des Weges auf den Tungurahua vorgenommen. Unser Bus fuhr um 14:45 zurück nach Ibarra, und um vorher noch genug Zeit zu haben, konnten wir nur etwa anderthalb Stunden hochlaufen und dann wieder runter, aber auch die Strecke hat mir schon gereicht. Nach den beiden zurückliegenden Tagen war ich echt am Ende und so bin ich nur sehr langsam vorwärtsgekommen, musste alle paar Meter anhalten um zu atmen und meine Beine auszuruhen, aber für den Ausblick hat es sich trotzdem gelohnt.

Anschließend hatten wir zum Glück einen Direktbus nach hause und so ist ein sehr ereignisreiches Wochenende zuende gegangen. Die Busfahrt war entspannt und es wurden nicht mal irgendwelche Filme gezeigt, in denen sich entweder alle gegenseitig umbringen oder ständig Autos in die Luft fliegen und auch auf Fast&Furiuos haben sie ausnahmsweise mal verzichtet. Stattdessen wurde als dritter und letzter Film ein spanischer und deutlich schlechterer Abklatsch von Fack ju göthe gezeigt, der zwar zum Einen eigentlich 1:1 kopiert war, aber das irgendwie schlecht und teilweise ziemlich albern. Das war so das letzte große Ereignis am diesem Wochenende.
Anschließend haben wir uns noch Essen bei unserem Chinesen hier geholt und sind dann bald ins Bett gegangen, denn am Dienstag mussten wir alle drei wieder arbeiten.

So viel zu unserem letzten Wochenende in Baños. Ich hoffe, euch hat der Eintrag gefallen und ihr freut euch schon auf den nächsten. 😎😋 Denn der kommt bestimmt.
Bis dahin sage ich hasta luego und bis bald. :)
Swantje





Die Schaukel 300 Meter über der Stadt 

El Pailón del Diablo



Unsere Chiva, damit haben wir die Tour am Sonntag gemacht






Die Canopy-Plattform 








La Casa del Arbol




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